RückschulungDerLinkhändigkeitEinesTriathleten
Montag, 18. Oktober 2010
Fortschreiten der Rückschulung
Die Rückschulung schreitet voran. Ich habe meine Hausaufgabe erfolgreich erledigt. Dabei habe ich eine Seite Text mit der linken Hand komplett abgeschrieben. Ich habe zwar gut angefangen, jedoch mit der Länge des Textes hat sich meine schöne Schrift immer mehr zu einer krakeligen Schrift transformiert. Dies geschah unter dem Aspekt, dass ich eine leichte Verkrampfung meiner linken Hand vernahm. Es hat mich jedoch nicht daran gehindert weiterhin Texte mit links zu schreiben. Auch meine eigene kleine Story über Jack nimmt Fahrt auf...J... ich habe heute wieder eine Seite Text entwickelt und dies werde ich auch in Zukunft weiterhin tun. Es ist mir egal ob es Kitsch ist. Es entsteht in meinem Gehirn und dies muss über die linke Hand auf Papier gebracht werden. Ich guck mal, dass ich die Blätter der Story einscanne und hier online stelle.
Sonntag, 17. Oktober 2010
Woche 41
Meine Rückschulung auf die dominante linke Hand verläuft soweit gut. Ich versuche täglich meine Übungen irgendwie unterzubringen. Manchmal habe ich aber auch zeitliche Probleme, sodass ich es Abends nicht schaffe, mich nach der Arbeit nochmals aufzuraffen und mich eine halbe Stunde mit der linken Hand zu beschäftigen. Erschwerend ist es natürlich auch dadurch, dass ich auf einen Triathlon trainiere. Dies frisst natürlich auch viel Zeit, da der Aufwand den man betreibt, enorm hoch ist. Aber der Triathlon ist so ne Sache, die ich unbedingt durchziehen möchte. Außerdem stellt es auch ein Ausgleich des teils stressigen Alltags dar.
Die Übungen sind so aufgebaut, dass ich am Anfang Fingergymnastik ausführen muss. Nach einigen Minuten lege ich dann Musik auf und mache mit der Fingergymnastik weiter. Danach kommen einige Minuten kritzeln und schraffieren auf Übungsblätter, dem dann die Nachspurübungen nach Sattler und Drabert folgen. Das klappt wie oben erwähnt soweit gut.
Unter der Woche habe ich immer mal wieder die Gelegenheit mich gedanklich von meiner eigentlichen Arbeit zu lösen und mich mit kritzeln und malen auf Schmierblättern zu befassen. Hier lasse ich meiner Kreativität – wenn man es so benennen darf – frei Lauf und lass mich von meiner linken Hand führen. Dabei kommt so manch abstraktes Zeug raus, aber auch Bilder von Gesichtern, Masken, etc. sind dabei. Was ich auch gerne mache, ist das schreiben in Spiegelschrift. Es ist für mich unheimlich entspannend von rechts nach links zu schreiben – Warum muss die ganze westliche Welt eine rechtshändig Dominierte sein ? Das ist doch diskriminierend für all die Linkshänder. In diesem Zusammenhang kommt mir auch manchesmal der Gedanke „Was wäre wenn“: Was wäre wenn ich nicht umgestellt worden wäre ? Ich glaube meine Persönlichkeit hätte sich in eine ganz andere Richtung entwickelt.
Naja, was mir in letzter Zeit auch oft passiert ist, dass ich ein Stück Text einfach so, scheinbar aus dem Nichts entwickle. Hierzu möchte ich hier mal zwei Auszüge aus den Texten geben:
„...Durch das massive Umstellen habe ich komplett alles mit Rechts ausgeführt, sodass ich quasi als umgeschulter Linkshänder durch’s Leben ging. Dabei habe ich von meiner Umschulung gewusst, da meine Mutter bei manchen Gelegenheiten teils prahlerisch aussagte, dass sie „diesen Teufel“ gleich aus mir hatte. Auch von meiner Umwelt habe ich keine negativen Meinungen erfahren, so dass es für mich als Normal galt, Rechts zu schreiben, jeodch links Fußball zu spielen. Von einer Rückschulung auf meine linke Hand war ich meilenweit entfernt....“
„Jack nahm seinen Hammer in die Hand und modifizierte das Teil so lange damit bis es für sich und seine Anwendung etwas taugte. Dabei waren seine Schläge und Hiebe nicht immer einhundertprozentig exakt! Aber das machte nichts. Denn erst durch die Unkontrolliertheit bekam das Teil seine so abstrakte Form, die es so erfolgreich verkaufen lies. Das Publikum liebte Auftritte wie diesen von Jack. Denn so konnten sie genau verfolgen wie die Dinge, auf die sie so angetan waren, in der Endproduktion bearbeitet werden....“
Total crazy....
Samstag, 9. Oktober 2010
Initialer Post
Hallo,
zu meinem Blog. Eigentlich bin ich nicht der Mensch der Tagebuch od. Ähnliches schreibt, jedoch denke ich hat das Thema „Rückschulung der Links-Händigkeit“ es insgesamt verdient, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Kurz zu meiner Person: Ich bin Anfang 30 und schon in jungen Jahren durch Unwissenheit meiner Eltern auf die rechte Hand umgeschult worden. Wann genau und wie stark darauf geachtet wurde, dass vieles mit der rechten Hand ausgeführt wurde, kann ich selbst nicht genau sagen. Jedoch denke ich dass der Umschulungs-Prozess und die eigene Akzeptanz in der Grundschulzeit vollständig abgeschlossen worden ist.
Erst Jahrzehnte später wurde mir durch purer Zufall tiefer bewusst, dass die Umschulung doch so kein trivialer Prozess gewesen ist. Ich befasste mich mit der Thematik und bin im Netz auf Menschen gestoßen, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben. Auch das Buch „Der umgeschulte Linkshänder oder der Knoten im Gehirn“ von Fr. Dr. Johanna Sattler war für mich schockierend und faszinierend zugleich, wie ein solcher Bericht einen umgeschulten Linkshänder in seiner Persönlichkeit derart gut beschreibt. Das Positive das ich dabei erlebt habe, ist dass ich endlich gegen meine Unzufriedenheit, meine Aggressivität, mein Unbehagen etwas tun kann. Dieses Tun habe ich sofort umgesetzt und mich seit diesem Zeitpunkt gezwungen soviel wie möglich mit links zu machen, wobei ich das Schreiben als den Schlüssel sehe.
Deshalb gehe ich seit einiger Zeit zur Ergotherapie, um mir professionelle Hilfe und Unterstützung geben zu lassen. Die Therapeutin hat mich auch ermuntert Bericht od. Tagebuch zu schreiben, um die Rückschulung zu meiner angeborenen Linkshändigkeit zu dokumentieren. Dies möchte ich w.o. schon angemerkt für alle interessierten Leute in diesem Blog tun.
Daneben möchte ich Berichte veröffentlichen über mein Hobby „Triathlon“ zu dem ich am Anfang diesen Jahres 2010 gekommen bin. Dabei soll das Training ein Ausgleich, u.a. für meine Rückschulung, darstellen. Mal sehn vielleicht klappt’s ja 2011 dann mit einem Triathlon....
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